Fachkräftemangel und Bewerbungsunterlagen

23.05.2018

Senden Sie Ihre aussagekräftige Bewerbung bitte an…

Bewerbung

Wenn ich eine Stellenanzeige, egal aus welcher Branche im Handwerk, lese, steht in fast allen Stellenausschreibungen diese Aussage "Bitte senden Sie Ihre aussagekräftigen Bewerbungsunterlagen an diese Adresse…"

Liebe Handwerkerkolleginnen und -kollegen, Sie finden eh kein Fachkräfte mehr und den wenigen, die evtl. überhaupt wechselbereit sind, legen Sie riesige Steine mit den sogenannten Bewerbungsunterlagen in den Weg. Glauben Sie wirklich, dass eine wechselbereite Fachkraft darauf reagieren wird, wenn nur ein einziger Ihrer Mitbewerber einfach so agiert: "Bitte rufen Sie mich an!"

Ich erinnere mich da sehr gerne an mein eigenes Handwerksunternehmen, das ich 1983 von meinem Vater übernommen habe. Auch für mich war es in den 80er und 90er Jahren wichtig, immer über ein großes Potenzial an Fachkräften zu verfügen. Es war mir sehr wichtig, die Menschen kennen zu lernen, mit ihnen zu sprechen und dabei festzustellen, dass sie in mein Unternehmen passen, mit meinem Führungsteam und mit mir gut zusammenarbeiten werden. Dabei half mir im Gespräch immer die Inselfrage, die ich mir selbst gestellt habe. Es hat mich nicht interessiert, ob und wie gut eine Gesellenprüfung bestanden wurde. Können mussten die Jungs und Mädels es. Punkt! Und was sie noch nicht richtig konnten, haben sie bei uns gelernt.

Einen Gesellenbrief oder ein Zeugnis habe ich mir nie angesehen. Ich habe mich mit dem Menschen unterhalten und angefreundet - oder auch nicht.

Und heute, im Zeitalter des Fachkräftemangels, werden solche Sätze in Stellenanzeigen geschrieben, die immer schon total überflüssig waren. Liebe Unternehmenskapitäne, habt Ihr den Zug gesehen, der gerade, ohne Anzuhalten, an Euch vorbeigefahren ist.

Eine Beispielgeschichte einer wechselbereiten Fachkraft:

Ich bin ein sehr guter Maler und ich weiß es. Ich weiß auch, dass mein Unternehmen und mein Chef nicht top sind, aber irgendwie läuft es ja. Heute habe ich mich mal wieder über meinen Chef geärgert und beschlossen: "Jetzt ist Schluss!" Abends finde ich ein für mich passendes Stellenangebot im Netz. Ach was, bevor ich mich jetzt hinsetze und eine Bewerbung schreibe (Wo bekomme ich überhaupt ein Bild her, wo die Kopien meiner Zeugnisse), da bleibe ich doch lieber da, wo ich bin. Hier kenne ich mich aus und muss nicht neu anfangen. Warum schreiben die nicht, dass ich anrufen kann? Ich bin doch Handwerker und kein Schreibwerker…

Klaus Steinseifer 1

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